GESCHICHTE · FREIMAUREREI IN KLEVE
Seit mehr als 250 Jahren lassen sich in Kleve und am Niederrhein immer wieder freimaurerische Gemeinschaften, Persönlichkeiten und Verbindungen nachweisen. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um die ununterbrochene Geschichte einer einzigen Loge. Unterschiedliche Logen entstanden zu unterschiedlichen Zeiten und gehörten teilweise unterschiedlichen freimaurerischen Strukturen an. Was sie verbindet, ist der Ort Kleve und eine Tradition, die über Generationen immer wieder sichtbar wurde.
Ein historischer Name vom Niederrhein.
Der Name unserer heutigen Loge reicht weiter zurück als die heutige Klever Loge selbst. Am 6. August 1744 wurde im benachbarten Wesel eine Freimaurerloge mit dem Namen „Zu den drei ehernen Säulen“ gestiftet. Sie gehörte zur damaligen Großen Königlichen Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ in Berlin. Die historische Weseler Loge erlosch später. Mehr als zweieinhalb Jahrhunderte danach wurde ihr Name am Niederrhein erneut aufgenommen. Doch Kleve entwickelte in der Zwischenzeit seine eigene umfangreiche freimaurerische Geschichte.

Der historische Name „Zu den drei ehernen Säulen“ verbindet die heutige Loge mit der frühen Freimaurerei am Niederrhein.
Hier beginnt die sicher belegbare Klever Logengeschichte.

QUELLE · 1771–1774 — Johannisloge „Eintracht“ in Cleve. Historische Darstellung und Korrespondenz zur frühen Klever Logengeschichte.
Die erhaltenen Unterlagen geben ungewöhnlich konkrete Einblicke in das Leben der Klever Loge. Mitgliederverzeichnisse nennen Männer unterschiedlicher Berufe und gesellschaftlicher Stellungen. Juristen, Beamte, Kaufleute, Ärzte, Handwerker und weitere Bürger gehörten zur Bruderschaft. Die Loge war damit keine abgeschlossene Welt außerhalb der Stadtgesellschaft. Historische Berichte zeigen außerdem Phasen von Wachstum, Schwierigkeiten und innerer Neuordnung. Für das Jahr 1850 werden beispielsweise 16 Mitglieder genannt. 1854 berichtet eine Quelle bereits von 28 aktiven Mitgliedern.



ARCHIVQUELLE · 19. JAHRHUNDERT — Berichte über Mitglieder, Logenämter und die Entwicklung der Johannisloge „Zur Hoffnung“ in Cleve.

Freimaurerei war bereits im 18. und 19. Jahrhundert weit mehr als eine örtliche Gemeinschaft. Logen und Brüder standen über Städte und Staatsgrenzen hinweg miteinander in Verbindung. Empfehlungsschreiben, Besuchsurkunden und persönliche Kontakte bildeten ein weitreichendes Netzwerk. Für Kleve war diese Verbindung besonders selbstverständlich. Die Nähe zu den Niederlanden prägte die Region seit Jahrhunderten. Auch in den erhaltenen freimaurerischen Unterlagen finden sich Beziehungen nach Berlin, in die Niederlande und zu weiteren europäischen Logen.
Historische freimaurerische Korrespondenz – Zeugnis der grenzüberschreitenden Beziehungen am Niederrhein.

KUNST · KLEVE · FREIMAUREREI
Barend Cornelis Koekkoek
Ein bedeutender Künstler – und Freimaurer in Kleve.
Zu den bekanntesten Persönlichkeiten, die mit der Klever Freimaurerei verbunden waren, gehört der niederländische Landschaftsmaler Barend Cornelis Koekkoek. Koekkoek ließ sich im 19. Jahrhundert in Kleve nieder und entwickelte sich zu einem der bedeutenden Landschaftsmaler seiner Zeit. Eine erhaltene freimaurerische Urkunde aus 1838 dokumentiert seine Zugehörigkeit zur Freimaurerei und seine Verbindung zur Klever Loge „Zur Hoffnung“.

FREIMAURERISCHE URKUNDE · 1838
Auch wenn die rituelle Arbeit einer Loge nicht öffentlich stattfindet, war Freimaurerei in Kleve keineswegs unbekannt. Historische Quellen zeigen, dass sie Gegenstand öffentlicher Diskussionen war – mit Interesse, aber auch mit Misstrauen und Vorurteilen.
Eine historische Quelle berichtet für das Jahr 1890 von der Auflösung einer von Bruder Meywald in Cleve geleiteten Loge und der Übergabe zahlreicher freimaurerischer Gegenstände. Welchen exakten organisatorischen Status diese Loge hatte und in welchem Verhältnis sie zur älteren „Zur Hoffnung“ stand, lässt sich aus den bislang ausgewerteten Unterlagen nicht zweifelsfrei bestimmen.
Ein Klever Zeitungsbericht aus dem Jahr 1913 zeigt, dass Freimaurerei weiterhin Teil des gesellschaftlichen Bewusstseins war. Bei einer Stadtverordnetenwahl wurde die Nähe eines Kandidaten zur Freimaurerei ausdrücklich zum Gegenstand der politischen Auseinandersetzung. Das Dokument zeigt sowohl die gesellschaftliche Präsenz der Freimaurerei als auch die Vorbehalte, die ihr bereits damals entgegengebracht wurden.

1931
Noch 1931 hielt die „Zirkel-Korrespondenz“ fest, dass die Logengründung des Jahres 1771 ausdrücklich mit Cleve und der Loge „Zur Eintracht“ verbunden war. Dieses zeitnahe Quellenzeugnis macht sichtbar, dass die frühe Klever Logengeschichte nicht nur aus späterer Rückschau, sondern auch aus historischen Aufzeichnungen selbst überliefert ist.
Zirkel-Korrespondenz, 1931 — handschriftliche Quellennotizen zur Logengeschichte in Cleve.
1933–1935
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann der schrittweise Wiederaufbau der deutschen Freimaurerei. Auch die Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ nahm ihre Arbeit wieder auf. In Kleve selbst entstand jedoch zunächst keine neue eigenständige Loge. Über viele Jahrzehnte blieb die freimaurerische Vergangenheit der Stadt damit vor allem Erinnerung.
21. JAHRHUNDERT
Im Jahr 2016 begann ein neues Kapitel der Klever Freimaurergeschichte. Der historische Name „Zu den drei ehernen Säulen“ wurde für eine neue Klever Loge wieder aufgenommen. Die heutige Johannisloge arbeitet im Orient Kleve unter der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“. Mit ihrem Namen erinnert sie zugleich an eine der frühesten freimaurerischen Traditionen am Niederrhein.

Die Logen „Zur Eintracht“, „Zur Hoffnung“ und die heutige „Zu den drei ehernen Säulen“ entstanden in unterschiedlichen Zeiten und unter unterschiedlichen freimaurerischen Strukturen. Wir verstehen unsere heutige Loge deshalb nicht als ununterbrochene organisatorische Fortsetzung ihrer Vorgänger. Was sie miteinander verbindet, ist Kleve – und eine freimaurerische Tradition, deren Spuren sich hier seit 1771 nachweisen lassen.
1771 — HEUTE
Gründungen und Auflösungen, gesellschaftliche Anerkennung und Misstrauen, kulturelle Blüte und politische Verfolgung: Die Geschichte verlief nicht geradlinig. Gerade deshalb lohnt es sich, sie zu bewahren.
ZU DEN DREI EHERNEN SÄULEN
Freimaurerei · Gemeinschaft · Reflexion