GESCHICHTE · FREIMAUREREI IN KLEVE

Mehr als 250 Jahre freimaurerische Spuren am Niederrhein.

Mehr als 250 Jahre freimaurerische Spuren am Niederrhein.

Die Geschichte der Freimaurerei in Kleve begann nicht mit unserer heutigen Loge. Ihre Spuren reichen bis tief in das 18. Jahrhundert zurück.

Die Geschichte der Freimaurerei in Kleve begann nicht mit unserer heutigen Loge. Ihre Spuren reichen bis tief in das 18. Jahrhundert zurück.

Seit mehr als 250 Jahren lassen sich in Kleve und am Niederrhein immer wieder freimaurerische Gemeinschaften, Persönlichkeiten und Verbindungen nachweisen. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um die ununterbrochene Geschichte einer einzigen Loge. Unterschiedliche Logen entstanden zu unterschiedlichen Zeiten und gehörten teilweise unterschiedlichen freimaurerischen Strukturen an. Was sie verbindet, ist der Ort Kleve und eine Tradition, die über Generationen immer wieder sichtbar wurde.

1744

1744

„Zu den drei ehernen Säulen“

„Zu den drei ehernen Säulen“

Ein historischer Name vom Niederrhein.

Der Name unserer heutigen Loge reicht weiter zurück als die heutige Klever Loge selbst. Am 6. August 1744 wurde im benachbarten Wesel eine Freimaurerloge mit dem Namen „Zu den drei ehernen Säulen“ gestiftet. Sie gehörte zur damaligen Großen Königlichen Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ in Berlin. Die historische Weseler Loge erlosch später. Mehr als zweieinhalb Jahrhunderte danach wurde ihr Name am Niederrhein erneut aufgenommen. Doch Kleve entwickelte in der Zwischenzeit seine eigene umfangreiche freimaurerische Geschichte.

Freimaurerische Werkzeuge im Logenhaus

Der historische Name „Zu den drei ehernen Säulen“ verbindet die heutige Loge mit der frühen Freimaurerei am Niederrhein.

1771

1771

Zur Eintracht

Zur Eintracht

Hier beginnt die sicher belegbare Klever Logengeschichte.

Zu Beginn der 1770er Jahre fanden sich auch in Cleve Männer zusammen, die nach freimaurerischen Grundsätzen arbeiten wollten. Historische Korrespondenzen dokumentieren ihre Bemühungen um eine reguläre Konstitution. Am 15. Oktober 1771 entstand schließlich die Loge „Zur Eintracht“ in Cleve. Am 13. Dezember 1771 bestätigten die Klever Brüder den Empfang ihrer Konstitution und nannten ausdrücklich den gewählten Logennamen „Zur Eintracht“. In den historischen Unterlagen begegnen daneben Bezeichnungen wie „La Concorde“ und „La Concorde du Bas-Rhin“.

Zu Beginn der 1770er Jahre fanden sich auch in Cleve Männer zusammen, die nach freimaurerischen Grundsätzen arbeiten wollten. Historische Korrespondenzen dokumentieren ihre Bemühungen um eine reguläre Konstitution. Am 15. Oktober 1771 entstand schließlich die Loge „Zur Eintracht“ in Cleve. Am 13. Dezember 1771 bestätigten die Klever Brüder den Empfang ihrer Konstitution und nannten ausdrücklich den gewählten Logennamen „Zur Eintracht“. In den historischen Unterlagen begegnen daneben Bezeichnungen wie „La Concorde“ und „La Concorde du Bas-Rhin“.

Historische Darstellung zur Johannisloge Eintracht in Cleve

QUELLE · 1771–1774 — Johannisloge „Eintracht“ in Cleve. Historische Darstellung und Korrespondenz zur frühen Klever Logengeschichte.

1775

1775

Ein neuer Anfang: „Zur Hoffnung“

Ein neuer Anfang: „Zur Hoffnung“

„erste feyerliche Versammlung in der gesetzmäßig constituirten Freymaurer-Loge: Zur Hoffnung, aufgerichtet in Cleve“

22. Mai 1775

„erste feyerliche Versammlung in der gesetzmäßig constituirten Freymaurer-Loge: Zur Hoffnung, aufgerichtet in Cleve“

22. Mai 1775

Eine Loge mitten in der Stadtgesellschaft.

Eine Loge mitten in der Stadtgesellschaft.

Die erhaltenen Unterlagen geben ungewöhnlich konkrete Einblicke in das Leben der Klever Loge. Mitgliederverzeichnisse nennen Männer unterschiedlicher Berufe und gesellschaftlicher Stellungen. Juristen, Beamte, Kaufleute, Ärzte, Handwerker und weitere Bürger gehörten zur Bruderschaft. Die Loge war damit keine abgeschlossene Welt außerhalb der Stadtgesellschaft. Historische Berichte zeigen außerdem Phasen von Wachstum, Schwierigkeiten und innerer Neuordnung. Für das Jahr 1850 werden beispielsweise 16 Mitglieder genannt. 1854 berichtet eine Quelle bereits von 28 aktiven Mitgliedern.

Historische Darstellung zur Johannisloge Zur Hoffnung in Cleve
Historisches Dokument zur Klever Logengeschichte
Historische Freimaurerurkunde

ARCHIVQUELLE · 19. JAHRHUNDERT — Berichte über Mitglieder, Logenämter und die Entwicklung der Johannisloge „Zur Hoffnung“ in Cleve.

Historische freimaurerische Korrespondenz in niederländischer Sprache

Eine Grenzstadt. Ein internationales Netzwerk.

Eine Grenzstadt. Ein internationales Netzwerk.

Freimaurerei war bereits im 18. und 19. Jahrhundert weit mehr als eine örtliche Gemeinschaft. Logen und Brüder standen über Städte und Staatsgrenzen hinweg miteinander in Verbindung. Empfehlungsschreiben, Besuchsurkunden und persönliche Kontakte bildeten ein weitreichendes Netzwerk. Für Kleve war diese Verbindung besonders selbstverständlich. Die Nähe zu den Niederlanden prägte die Region seit Jahrhunderten. Auch in den erhaltenen freimaurerischen Unterlagen finden sich Beziehungen nach Berlin, in die Niederlande und zu weiteren europäischen Logen.

Historische freimaurerische Korrespondenz – Zeugnis der grenzüberschreitenden Beziehungen am Niederrhein.

Porträt von Barend Cornelis Koekkoek

KUNST · KLEVE · FREIMAUREREI

Barend Cornelis Koekkoek

Ein bedeutender Künstler – und Freimaurer in Kleve.

Zu den bekanntesten Persönlichkeiten, die mit der Klever Freimaurerei verbunden waren, gehört der niederländische Landschaftsmaler Barend Cornelis Koekkoek. Koekkoek ließ sich im 19. Jahrhundert in Kleve nieder und entwickelte sich zu einem der bedeutenden Landschaftsmaler seiner Zeit. Eine erhaltene freimaurerische Urkunde aus 1838 dokumentiert seine Zugehörigkeit zur Freimaurerei und seine Verbindung zur Klever Loge „Zur Hoffnung“.

Freimaurerische Urkunde von 1838 mit Bezug auf Barend Cornelis Koekkoek

FREIMAURERISCHE URKUNDE · 1838

Nicht unsichtbar.

Nicht unsichtbar.

Auch wenn die rituelle Arbeit einer Loge nicht öffentlich stattfindet, war Freimaurerei in Kleve keineswegs unbekannt. Historische Quellen zeigen, dass sie Gegenstand öffentlicher Diskussionen war – mit Interesse, aber auch mit Misstrauen und Vorurteilen.

1890

1890

Ein weiterer Einschnitt.

Ein weiterer Einschnitt.

Eine historische Quelle berichtet für das Jahr 1890 von der Auflösung einer von Bruder Meywald in Cleve geleiteten Loge und der Übergabe zahlreicher freimaurerischer Gegenstände. Welchen exakten organisatorischen Status diese Loge hatte und in welchem Verhältnis sie zur älteren „Zur Hoffnung“ stand, lässt sich aus den bislang ausgewerteten Unterlagen nicht zweifelsfrei bestimmen.

Geschichte besteht nicht nur aus Gewissheiten. Auch offene Fragen gehören zu ihr.

Geschichte besteht nicht nur aus Gewissheiten. Auch offene Fragen gehören zu ihr.

1913

1913

Als Freimaurerei zum politischen Thema wurde.

Als Freimaurerei zum politischen Thema wurde.

Ein Klever Zeitungsbericht aus dem Jahr 1913 zeigt, dass Freimaurerei weiterhin Teil des gesellschaftlichen Bewusstseins war. Bei einer Stadtverordnetenwahl wurde die Nähe eines Kandidaten zur Freimaurerei ausdrücklich zum Gegenstand der politischen Auseinandersetzung. Das Dokument zeigt sowohl die gesellschaftliche Präsenz der Freimaurerei als auch die Vorbehalte, die ihr bereits damals entgegengebracht wurden.

Zirkel-Korrespondenz von 1931 mit handschriftlichen Vermerken zur Freimaurerei in Kleve

1931

Ein Blick zurück.

Ein Blick zurück.

Noch 1931 hielt die „Zirkel-Korrespondenz“ fest, dass die Logengründung des Jahres 1771 ausdrücklich mit Cleve und der Loge „Zur Eintracht“ verbunden war. Dieses zeitnahe Quellenzeugnis macht sichtbar, dass die frühe Klever Logengeschichte nicht nur aus späterer Rückschau, sondern auch aus historischen Aufzeichnungen selbst überliefert ist.

Zirkel-Korrespondenz, 1931 — handschriftliche Quellennotizen zur Logengeschichte in Cleve.

1933–1935

Als freie Gemeinschaft nicht mehr möglich war.

Als freie Gemeinschaft nicht mehr möglich war.

Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 begann für die deutsche Freimaurerei eine Zeit zunehmender Überwachung, Ausgrenzung und Verfolgung. Freimaurer wurden von der NS-Propaganda als weltanschauliche und politische Gegner dargestellt. Logen wurden unter Druck gesetzt, Logenhäuser geschlossen, Vermögen und Archive beschlagnahmt. 1935 mussten sich die verbliebenen Logen unter massivem politischen Druck auflösen.

Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 begann für die deutsche Freimaurerei eine Zeit zunehmender Überwachung, Ausgrenzung und Verfolgung. Freimaurer wurden von der NS-Propaganda als weltanschauliche und politische Gegner dargestellt. Logen wurden unter Druck gesetzt, Logenhäuser geschlossen, Vermögen und Archive beschlagnahmt. 1935 mussten sich die verbliebenen Logen unter massivem politischen Druck auflösen.

Eine Diktatur, die geistige Freiheit bekämpfte, ließ für freie Logen keinen Raum.

Eine Diktatur, die geistige Freiheit bekämpfte, ließ für freie Logen keinen Raum.

1945
Das Licht kehrt zurück – zunächst anderswo.

1945
Das Licht kehrt zurück – zunächst anderswo.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann der schrittweise Wiederaufbau der deutschen Freimaurerei. Auch die Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ nahm ihre Arbeit wieder auf. In Kleve selbst entstand jedoch zunächst keine neue eigenständige Loge. Über viele Jahrzehnte blieb die freimaurerische Vergangenheit der Stadt damit vor allem Erinnerung.

21. JAHRHUNDERT

2016

2016

Zu den drei ehernen Säulen in Kleve

Zu den drei ehernen Säulen in Kleve

Im Jahr 2016 begann ein neues Kapitel der Klever Freimaurergeschichte. Der historische Name „Zu den drei ehernen Säulen“ wurde für eine neue Klever Loge wieder aufgenommen. Die heutige Johannisloge arbeitet im Orient Kleve unter der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“. Mit ihrem Namen erinnert sie zugleich an eine der frühesten freimaurerischen Traditionen am Niederrhein.

Detail aus dem heutigen Logenraum

Keine lückenlose Linie.

Keine lückenlose Linie.

Aber eine gemeinsame Geschichte.

Aber eine gemeinsame Geschichte.

Die Logen „Zur Eintracht“, „Zur Hoffnung“ und die heutige „Zu den drei ehernen Säulen“ entstanden in unterschiedlichen Zeiten und unter unterschiedlichen freimaurerischen Strukturen. Wir verstehen unsere heutige Loge deshalb nicht als ununterbrochene organisatorische Fortsetzung ihrer Vorgänger. Was sie miteinander verbindet, ist Kleve – und eine freimaurerische Tradition, deren Spuren sich hier seit 1771 nachweisen lassen.

1771 — HEUTE

Seit mehr als 250 Jahren hinterlässt Freimaurerei Spuren in Kleve.

Seit mehr als 250 Jahren hinterlässt Freimaurerei Spuren in Kleve.

Gründungen und Auflösungen, gesellschaftliche Anerkennung und Misstrauen, kulturelle Blüte und politische Verfolgung: Die Geschichte verlief nicht geradlinig. Gerade deshalb lohnt es sich, sie zu bewahren.

Das Licht wurde mehrfach gelöscht. Die Idee blieb.

Das Licht wurde mehrfach gelöscht. Die Idee blieb.

ZU DEN DREI EHERNEN SÄULEN

Freimaurerei · Gemeinschaft · Reflexion